Ältere Hände halten eine Tasse Tee auf einer Wolldecke, im Hintergrund ein Fenster mit weichem Tageslicht

Wer an Bauchfellkrebs stirbt, stirbt meist an den Folgen im Bauchraum: Tumorherde auf dem Bauchfell stören den Darm, lassen Flüssigkeit in die Bauchhöhle laufen und zehren den Körper aus. Gegen Ende kommen oft ein Darmverschluss und große Schwäche hinzu. Vieles davon lässt sich lindern. Hier erfährst Du, was dabei im Körper passiert und was Ärzte und Pflegende dagegen tun können.

Das Wichtigste in Kürze
– Fast immer handelt es sich um eine sogenannte Peritonealkarzinose, also Metastasen im Bauchfell, die von einem anderen Tumor stammen.
– Typisch für das fortgeschrittene Stadium sind Bauchwasser (Aszites), Darmverschluss und Auszehrung (Kachexie).
– Punktion, Magensonde, Stent und Medikamente können diese Beschwerden deutlich mildern.
– In den letzten Tagen verändern sich Atmung, Bewusstsein und das Bedürfnis nach Essen und Trinken.
– Rat bekommst Du kostenlos beim Krebsinformationsdienst unter 0800 420 30 40.

Bauchfellkrebs oder Peritonealkarzinose: Was ist der Unterschied?

Das Bauchfell (Peritoneum) ist eine dünne Haut, die die Bauchhöhle auskleidet und viele Organe im Bauchraum überzieht. Es bildet laufend etwas Gleitflüssigkeit für die Bauchorgane. Wird diese Haut von Krebszellen befallen, spricht man umgangssprachlich von Bauchfellkrebs.

Medizinisch unterscheidet man zwei Formen:

Form Was dahintersteckt Häufigkeit
Sekundär: Peritonealkarzinose Ein Tumor in einem anderen Organ bildet Metastasen auf dem Bauchfell, zum Beispiel bei Darmkrebs, Magenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs oder Eierstockkrebs weitaus häufigste Form
Primär: peritoneales Mesotheliom Tumor entsteht im Bauchfell selbst, meist nach lange zurückliegendem Kontakt mit Asbest sehr selten
Primär: primäres Peritonealkarzinom entsteht im Bauchfell und ähnelt feingeweblich dem Eierstockkrebs selten, betrifft fast nur Frauen

Der Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums beschreibt die Peritonealkarzinose als Befall des Bauchfells mit Tumorzellen, meist infolge einer Metastasierung. Wie häufig das passiert, hängt vom Ursprungstumor ab. Das Universitätsspital Zürich nennt etwa 15 bis 20 Prozent bei metastasiertem Dickdarmkrebs, 10 bis 15 Prozent bei Magenkrebs und 60 bis 80 Prozent bei Eierstockkrebs bereits zum Zeitpunkt der Diagnose (Stand 2025).

Das asbestbedingte Mesotheliom des Bauchfells ist in Deutschland seit 1977 als Berufskrankheit (BK 4105) anerkannt. Zwischen Asbestkontakt und Erkrankung liegen meist mehr als 10 bis 15 Jahre, manchmal Jahrzehnte.

Wie stirbt man an Bauchfellkrebs? Symptome und Komplikationen im Verlauf

Lange macht ein Befall des Bauchfells kaum Symptome. Wenn doch, sind es eher unklare Bauchschmerzen oder Verstopfung, die auch viele harmlose Ursachen haben können. Erst wenn die Tumorherde wachsen, stören sie die Organe im Bauchraum deutlich. Drei Probleme prägen dann den weiteren Verlauf.

Bauchwasser (Aszites)

Die Metastasen blockieren Lymphbahnen und machen Blutgefäße durchlässiger. So sammelt sich Flüssigkeit in der Bauchhöhle. Laut KID merken Betroffene das oft erst, wenn sich 1 bis 2 Liter angesammelt haben. Dann spannt der Bauch und man ist schnell satt. Bei größeren Mengen fällt das Atmen schwer, in manchen Fällen schwellen auch die Beine an.

Auch Metastasen in der Leber können zu Wasser im Bauch führen, wenn sie den Druck in der Pfortader erhöhen. Nur in diesen Fällen ist laut KID belegt, dass entwässernde Tabletten (Diuretika) wirken.

Plötzliche starke Bauchschmerzen oder hohes Fieber können eine Entzündung des Bauchfells bedeuten. Dann bitte zügig ärztliche Hilfe holen: nachts über den Bereitschaftsdienst 116 117, bei akuter Lebensgefahr über die 112.

Darmverschluss (maligne intestinale Obstruktion)

Tumorknoten drücken von außen auf den Darm oder wachsen in die Darmwand und lähmen deren Bewegung. Der Inhalt kommt nicht mehr weiter. Typisch sind Erbrechen und krampfartige Schmerzen. Der Bauch bläht sich, Stuhlgang und Winde bleiben aus. Je weiter oben der Verschluss sitzt, desto früher setzt das Erbrechen ein.

Auszehrung (Tumorkachexie)

Wer kaum noch essen kann, verliert Gewicht. Bei der Kachexie kommt aber mehr dazu: Eine dauerhafte Entzündung im ganzen Körper baut Muskeln und Fettgewebe ab und dämpft den Appetit über Botenstoffe im Gehirn. Der KID nennt 50 bis 80 Prozent der Menschen mit fortgeschrittener Krebserkrankung, die davon betroffen sind. Mehr Kalorien allein halten diesen Abbau nicht auf. Ein Medikament speziell gegen Tumorkachexie ist bislang nicht zugelassen.

Am Ende führt meist das Zusammenspiel dieser Probleme zum Tod. Der Körper bekommt kaum noch Nahrung, und mit den Kräften lässt auch die Arbeit von Nieren und Leber nach. Manchmal kommt eine Infektion als weitere Komplikation hinzu.

Was die Palliativmedizin lindern kann

Heilung ist bei Bauchfellmetastasen im weit fortgeschrittenen Stadium nur für wenige Patienten möglich. Für ausgewählte Patientinnen und Patienten in gutem Allgemeinzustand gibt es eine große Operation: Die Ärzte entfernen möglichst alle sichtbaren Tumorherde und spülen die Bauchhöhle anschließend mit einer erwärmten Chemotherapie (HIPEC, laut KID 41 bis 43 °C für 30 bis 120 Minuten). Daneben kommen eine Chemotherapie über die Vene oder, je nach Ursprungstumor, eine Bestrahlung infrage. Für alle anderen rückt die palliative Therapie in den Mittelpunkt. Palliativmedizin (englisch Palliative Care) soll Symptome lindern und die Lebensqualität möglichst lange erhalten.

Infografik: Palliative Hilfen bei Bauchwasser, Darmverschluss und Schwäche
Typische Beschwerden im fortgeschrittenen Stadium und was dagegen hilft.

Was konkret möglich ist, beschreiben der KID und die S3-Leitlinie Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung (Version 3.0, Juli 2026):

  • Bauchwasser: Eine Punktion lässt die Flüssigkeit über eine Nadel ab, meist ambulant und bei Bedarf wiederholt. Läuft die Flüssigkeit rasch nach, kann ein Dauerkatheter mit Ventil gelegt werden, über den die Familie oder ein Pflegedienst zu Hause ablässt.
  • Erbrechen bei Darmverschluss: Bei quälendem Erbrechen soll eine Magensonde durch die Nase angeboten werden. Auf Dauer kann eine Ablaufsonde durch die Bauchdecke (Ablauf-PEG) den Magen entlasten. Sitzt die Engstelle im Dickdarm oder am Magenausgang, kann ein Stent sie offen halten.
  • Medikamente: Mittel gegen Übelkeit und solche, die die Darmsekretion bremsen. Wirken Tabletten nicht mehr, gibt man sie unter die Haut oder in die Vene.
  • Essen und Trinken: Getränke sollen angeboten und Wunschkost nicht verwehrt werden, auch bei Darmverschluss. Ob eine Ernährung über die Vene sinnvoll ist, hängt davon ab, ob noch Monate oder nur noch wenige Wochen bleiben.

Ob eine Operation noch hilft, entscheiden die beteiligten Fachärzte gemeinsam mit Dir, abhängig von Deiner individuellen Situation. Aus unserer Sicht lohnt es sich, die palliative Betreuung früh einzubinden, nicht erst in den letzten Tagen. Dann bleibt Zeit, Wünsche zu besprechen und Krisen vorzubereiten.

Die letzten Tage: Woran sich die Sterbephase zeigt

Die Sterbephase umfasst die letzten Stunden bis Tage. Die Leitlinie nennt Zeichen, an denen Ärzte und Pflegende erkennen, dass sie begonnen hat:

  • veränderte Atmung, etwa mit Pausen oder einem rasselnden Geräusch
  • zunehmende Schwäche, verändertes Bewusstsein, Verwirrtheit
  • weniger als 100 Milliliter Urin in 24 Stunden
  • kein tastbarer Puls am Handgelenk, Veränderungen der Haut
  • kein Interesse mehr an Essen und Trinken

Für Angehörige ist das rasselnde Atmen oft schwer auszuhalten. Es entsteht durch Schleim im Rachen, den die sterbende Person nicht mehr abhusten kann. Die Leitlinie empfiehlt, Angehörige früh über Ursache und Verlauf aufzuklären. Eine andere Lagerung kann helfen. Absaugen soll unterbleiben, ebenso Infusionen.

Hunger und Durst treten in dieser Phase in den Hintergrund. Wichtig ist dann vor allem die Mundpflege: Lippen und Mundschleimhaut regelmäßig befeuchten, gern mit einem Lieblingsgetränk. Gegen Atemnot setzt die Leitlinie in den letzten Tagen vor allem Opioide ein. Bei Angst helfen eine ruhige Umgebung und vertraute Menschen, bei Bedarf zusätzlich Beruhigungsmittel. Was sich in dieser Zeit sonst sagen lässt und warum Sterbende Ruhe brauchen, erklären wir im Beitrag warum man Sterbende nicht beim Namen rufen soll.

Die Deutsche Krebshilfe betont, dass Krebskranke mit guter ärztlicher, pflegerischer und menschlicher Begleitung ruhig und friedlich sterben können.

Häufige Fragen

Hat man im Endstadium starke Schmerzen?

Schmerzen können auftreten, etwa durch den gespannten Bauch, Darmkrämpfe oder Tumorknoten, die auf umliegendes Gewebe drücken. Sie gehören zu den Symptomen, die die Palliativmedizin gezielt behandelt. Bei mittleren bis starken Tumorschmerzen empfiehlt die Leitlinie starke Opioide, deren Dosis regelmäßig an den Bedarf angepasst wird. Sag Deinem Behandlungsteam möglichst früh, wenn die Schmerzen zunehmen.

Wie ist die Prognose bei Bauchfellmetastasen?

Wie viel Zeit bleibt, hängt vor allem davon ab, woher der Krebs stammt, wie weit er sich im Bauchraum ausgebreitet hat und wie kräftig der Mensch ist. Bauchfellmetastasen eines Eierstockkrebses verlaufen anders als die eines Bauchspeicheldrüsenkrebses. Pauschale Zahlen zur Prognose helfen deshalb kaum weiter. Frag lieber Deine Ärztin oder Deinen Arzt, was bei Deiner Erkrankung zu erwarten ist. Auch ein einzelner Laborwert gibt darüber wenig Auskunft, wie unser Beitrag zum CRP-Wert bei Tumoren zeigt.

Hilfe für Betroffene und Angehörige

Telefon, Notizblock und Stift auf einem Holztisch im warmen Morgenlicht
Viele Fragen lassen sich am Telefon klären, die genannten Nummern sind kostenfrei.

Niemand muss diese Zeit allein durchstehen. Informationen und ein offenes Ohr bekommst Du hier:

  • Krebsinformationsdienst (KID): 0800 420 30 40, täglich 8 bis 20 Uhr, auch per E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de
  • INFONETZ KREBS der Deutschen Krebshilfe: 0800 80708877, Montag bis Freitag 8 bis 17 Uhr
  • Wegweiser Hospiz- und Palliativversorgung: Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin listet unter wegweiser-hospiz-palliativmedizin.de Hospize, Palliativstationen und SAPV-Teams in Deiner Nähe.
  • Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, rund um die Uhr, auch für Familie und Freunde

Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) verordnet die Hausärztin oder der behandelnde Arzt. Das Team ist rund um die Uhr erreichbar und kommt nach Hause. Die Kosten für einen Platz im stationären Hospiz übernimmt laut KID die Krankenkasse.

Hinweis: Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Du selbst betroffen bist oder jemanden begleitest, sprich mit Deinem Behandlungsteam. Stand: Oktober 2026.

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