Wie erkennt man eine Lungenentzündung? Meist daran, dass mehrere Beschwerden zusammenkommen: hohes Fieber mit Schüttelfrost, Husten mit Auswurf und eine schnelle Atmung. Dazu fühlst Du Dich viel kränker als bei einer Erkältung. Sicher feststellen kann das nur die Ärztin oder der Arzt, in der Regel per Stethoskop und Röntgenbild. Bei Atemnot, bläulichen Lippen oder plötzlicher Verwirrtheit wartest Du nicht ab. Das ist ein Fall für den Notruf 112.
Die Pneumonie ist keine seltene Krankheit. In Deutschland erkranken laut gesundheitsinformation.de (IQWiG, Stand 2025) jedes Jahr mehr als 500.000 Menschen daran, rund 250.000 werden im Krankenhaus behandelt.
Kurz und knapp:
- Typisch: plötzliches hohes Fieber, Auswurf, Luftnot und ein starkes Krankheitsgefühl.
- Ältere Menschen zeigen oft untypische Zeichen wie Verwirrtheit, Schwäche oder Durchfall.
- Bei Kindern ist die schnelle, angestrengte Atmung das wichtigste Zeichen.
- Atemnot, blaue Lippen, Verwirrtheit oder Kreislaufschwäche: sofort 112.
- Die Diagnose stellt der Arzt mit Stethoskop, Röntgen und Blutwerten.
Die typischen Symptome einer Lungenentzündung
Bei einer Lungenentzündung ist das Lungengewebe entzündet. Meist stecken Bakterien dahinter, seltener Viren. Pilze als Auslöser betreffen fast nur Menschen mit stark geschwächter Abwehr. Häufigster Erreger der Lungenentzündung, die man sich im Alltag holt, sind Pneumokokken. Fachleute sprechen dann von einer ambulant erworbenen Lungenentzündung (englisch community-acquired pneumonia, kurz CAP). Diese Form beginnt häufig plötzlich.
Diese typischen Symptome nennen gesund.bund.de und gesundheitsinformation.de:
- Fieber und Schüttelfrost: oft plötzlich und hoch
- Husten mit Auswurf: der Schleim kann gelblich, grünlich oder bräunlich sein
- Atemnot und beschleunigte Atmung: Du bekommst schlechter Luft, schon beim Treppensteigen
- Herzrasen, also ein beschleunigter Puls
- Schwäche und starkes Krankheitsgefühl
- Schmerzen beim Atmen: stechend in der Brust, vor allem beim tiefen Einatmen oder Husten
Nicht bei allen Menschen mit Lungenentzündung treten sämtliche Symptome auf. Wer aber mehrere davon gleichzeitig spürt und sich richtig krank fühlt, sollte am selben Tag in die Hausarztpraxis gehen oder außerhalb der Sprechzeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 anrufen.
Erkältung, Bronchitis oder schon Pneumonie?
Am Anfang sieht eine Lungenentzündung oft aus wie ein grippaler Infekt mit Husten und Gliederschmerzen. Der Unterschied liegt im Verlauf und in der Schwere. Eine Erkältung bessert sich nach wenigen Tagen, eine akute Bronchitis betrifft die Bronchien und geht meist mit mäßigem Fieber einher. Bei der Pneumonie sitzt die Entzündung im Lungengewebe selbst, die Temperatur steigt höher und die Atmung wird flacher und rascher.
| Merkmal | Erkältung | Akute Bronchitis | Lungenentzündung |
|---|---|---|---|
| Fieber | gering oder keins | eher mäßig | oft hoch, mit Schüttelfrost |
| Husten | Reizhusten, Schnupfen | erst trocken, später mit Schleim | mit Auswurf |
| Atmung | normal | leicht pfeifend möglich | beschleunigt, Luftnot |
| Krankheitsgefühl | leicht | mittel | stark |
| Verlauf | bessert sich nach wenigen Tagen | Husten kann Wochen dauern | ohne Behandlung schwer |
Lass einen Infekt abklären, wenn er nach drei, vier Tagen schlechter statt besser wird oder neues Fieber dazukommt. Gleiches gilt, sobald Dir das Atmen schwerfällt. Wie lange Du mit einem einfachen Infekt zu Hause bleiben solltest, liest Du in unserem Beitrag Erkältung: wie lange Zuhause bleiben?.
Atypische Pneumonie: wenn Fieber und Auswurf fehlen
Etwa jede fünfte Lungenentzündung geht laut Lungeninformationsdienst (Helmholtz Munich, Stand 2025) auf Viren oder auf spezielle Bakterien zurück, zum Beispiel Mykoplasmen oder Legionellen. Bei dieser atypischen Form können Fieber und Husten mit Auswurf fehlen. Umgangssprachlich heißt sie auch „kalte Lungenentzündung“. Sie beginnt oft schleichend, und viele Betroffene halten sie lange für eine hartnäckige Erkältung.
Wer kaum Temperatur hat, fühlt sich eben nicht ernsthaft krank und geht erst spät in die Praxis. Hält ein trockener Husten mit Abgeschlagenheit länger als eine Woche an, ist ein Arzttermin sinnvoll.
Ursachen: Wer ein erhöhtes Risiko hat
Eine Lungenentzündung entsteht, wenn Erreger über die Atemwege bis in die Lungenbläschen gelangen und der Körper sie dort nicht rechtzeitig abwehrt. Die bakterielle Lungenentzündung ist die häufigste Form. Bestimmte Gruppen trifft die Infektion öfter und schwerer:
- Menschen ab 65 Jahren
- kleine Kinder, besonders unter 2 Jahren (laut gesund.bund.de höheres Risiko für Komplikationen)
- Menschen mit chronischen Erkrankungen wie COPD, Asthma, Herzschwäche oder Diabetes
- Menschen mit geschwächtem Immunsystem, etwa durch eine Chemotherapie oder bestimmte Medikamente
- Raucherinnen und Raucher
Bei Kindern und älteren Menschen lohnt es sich also, genauer hinzuschauen. Gerade bei ihnen sehen die Zeichen oft anders aus als im Lehrbuch.
Wie erkennt man eine Lungenentzündung bei älteren Menschen?
Ab 65 Jahren steigt das Risiko deutlich. Gleichzeitig fallen die Symptome bei Älteren häufig schwächer aus. Manchmal fehlen die klassischen Zeichen ganz, oder andere Beschwerden stehen im Vordergrund.
Auf diese Anzeichen solltest Du bei Eltern oder Großeltern achten:
- plötzliche oder zunehmende Verwirrtheit, Teilnahmslosigkeit
- auffällige Schwäche, Stürze, sie essen und trinken kaum
- Durchfall oder Bauchschmerzen ohne erkennbaren Grund
- schnelle Atmung, auch ohne Husten
Wer COPD, eine Herzschwäche oder Diabetes hat, sollte bei Verdacht rasch ärztliche Hilfe suchen. Das gilt genauso bei chronischer Nierenerkrankung und für Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Wenn Du das Gefühl hast, dass mit einem älteren Angehörigen etwas nicht stimmt, ruf lieber einmal zu früh in der Praxis an.
Lungenentzündung bei Kindern
Kinder zeigen oft andere Krankheitszeichen als Erwachsene. Kindergarten- und Schulkinder fiebern meist stark, oft mit Schüttelfrost. Bei Säuglingen ist die Temperatur dagegen häufig nur leicht erhöht. Babys können den Schleim noch nicht abhusten. Sie schlucken ihn herunter und erbrechen ihn später, was leicht nach Magen-Darm-Infekt aussieht.
Achte vor allem auf die Atmung: Atmet Dein Kind schnell und flach, mit beschleunigtem Puls, gehört es noch am selben Tag zum Kinderarzt. Manche Kinder klagen auch über Bauchschmerzen beim Husten.
Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte nennt als Zeichen einer schweren Erkrankung:
- Nasenflügeln, also Aufstellen der Nasenflügel beim Einatmen
- Einziehungen der Haut zwischen den Rippen beim Atmen
- bläuliche Lippen oder bläulicher Mund
- Verweigerung von Essen und Trinken, deutlicher Flüssigkeitsmangel
- starke Schläfrigkeit, Bewusstlosigkeit oder Krampfanfälle
Bei diesen Zeichen wählst Du sofort 112.
Warnzeichen: Wann Du sofort 112 wählen solltest

Eine schwere Pneumonie kann zu Sauerstoffmangel führen, im schlimmsten Fall zu Kreislaufversagen oder einer Blutvergiftung (Sepsis). Laut gesundheitsinformation.de sterben in Deutschland jedes Jahr über 20.000 Menschen daran, vor allem Menschen über 65 Jahre. Bei den folgenden Zeichen rufst Du deshalb direkt den Rettungsdienst. Ein Hausarzttermin in zwei Tagen ist dann zu spät.
| Warnzeichen | Was es bedeutet | Was Du tun solltest |
|---|---|---|
| starke Luftnot, mehr als 30 Atemzüge pro Minute | Lunge schafft den Sauerstoff nicht | sofort 112 |
| bläuliche Lippen oder Fingernägel | Sauerstoffmangel im Blut | sofort 112 |
| plötzliche Verwirrtheit, Benommenheit | Gehirn ist unterversorgt oder Sepsis | sofort 112 |
| Puls über 120, Blutdruck stark abgefallen | Kreislauf versagt | sofort 112 |
| Fieber ab 40 °C oder Temperatur unter 35 °C, besonders bei Älteren | schwerer Verlauf möglich | sofort ärztliche Hilfe, im Zweifel 112 |
| hohe Temperatur und beschleunigte Atmung bei Kindern | Pneumonie möglich | am selben Tag zum Kinderarzt, bei Atemnot 112 |
Die Grenzwerte in der Tabelle stammen aus der Patienteninformation des IQWiG zu den Warnzeichen einer Lungenentzündung bei älteren Menschen: Atemfrequenz über 30 pro Minute, Puls über 120 und ein Blutdruck unter 90 mmHg systolisch oder unter 60 mmHg diastolisch.
So wird eine Lungenentzündung festgestellt

Die Diagnose läuft in der Praxis meist in festen Schritten ab:
- Gespräch und Abhören: Rasselgeräusche über der Lunge sind ein Hinweis. Dazu misst die Ärztin Puls, Blutdruck und Atemfrequenz.
- Pulsoxymetrie: Ein Clip am Finger zeigt, wie viel Sauerstoff im Blut ist.
- Blutwerte: Entzündungswerte wie das CRP helfen bei der Einschätzung.
- Röntgenbild der Lunge: Es zeigt die entzündeten Bereiche und sichert die Diagnose. Manchmal folgt eine Computertomografie, mehr dazu in Wie lange dauert ein CT?.
- Erregersuche: Bei schweren Fällen werden Blut, Urin oder Auswurf im Labor untersucht.
Ob Du zu Hause bleiben kannst oder ins Krankenhaus musst, schätzen Ärzte unter anderem mit dem CRB-65-Score aus der S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (Stand 2021) ein. Er fragt vier Punkte ab: Verwirrtheit, Atemfrequenz ab 30 pro Minute, niedrigen Blutdruck und ein Alter ab 65 Jahren. Liegt keiner davon vor und bist Du sonst stabil, ist meist eine Behandlung mit Antibiotika zu Hause möglich.
Häufige Fragen
Ist eine Lungenentzündung ansteckend?
Die Erreger, etwa Pneumokokken, werden per Tröpfcheninfektion übertragen, etwa beim Niesen. Viele Menschen tragen sie aber im Nasen-Rachen-Raum, ohne krank zu werden. Ob jemand nach Kontakt eine Pneumonie bekommt, hängt vor allem vom Immunsystem ab.
Wie lange dauert eine Lungenentzündung?
Bei sonst Gesunden klingt sie meist innerhalb von etwa vier Wochen ab. Husten und Müdigkeit können länger bleiben, bis zur vollen Belastbarkeit vergehen manchmal Monate. Fang deshalb nicht zu früh wieder mit Sport an, eine zu frühe Belastung kann zu Rückfällen führen.
Wie wird eine Lungenentzündung behandelt?
Steckt ein Bakterium dahinter, bekommen Patientinnen und Patienten Antibiotika, in der Regel für 5 bis 7 Tage. Gegen Viren helfen Antibiotika nicht. Dazu kommen Ruhe, viel trinken und, wenn nötig, fiebersenkende Medikamente. Welches Mittel in welcher Dosis passt, legt Deine Ärztin fest, bei Kindern, in der Schwangerschaft und mit Vorerkrankungen erst recht. Wer schwer krank ist, wird im Krankenhaus behandelt, manchmal mit Sauerstoff.
Kann man einer Lungenentzündung vorbeugen?
Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt Menschen ab 60 Jahren die Impfungen gegen Pneumokokken, Grippe und COVID-19. Kinder werden unter anderem gegen Pneumokokken und Haemophilus influenzae geimpft. Bei chronischen Erkrankungen bespricht Deine Hausärztin, welche Impfungen für Dich sinnvoll sind.
Hinweis: Dieser Beitrag informiert allgemein über Lungenentzündung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Du Dir unsicher bist, ruf Deine Arztpraxis oder den Bereitschaftsdienst 116 117 an, bei Atemnot oder Verwirrtheit den Notruf 112. Stand: Oktober 2026.




