Rund 19.400 Menschen sind 2023 in Deutschland an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben. Im selben Jahr sind knapp 19.900 neu daran erkrankt. Hinter der Frage „Bauchspeicheldrüsenkrebs: wie stirbt man?“ stehen deshalb oft Angehörige, die wissen wollen, was auf sie und den Patienten oder die Patientin zukommt. Meist kommt der Tod nicht plötzlich. Er steht am Ende eines Verlaufs, in dem der Körper über Wochen schwächer wird. Viele Beschwerden auf diesem Weg lassen sich gut lindern.
Das Wichtigste in Kürze
– Mehr als die Hälfte der Erkrankungen wird erst entdeckt, wenn der Tumor nicht mehr heilbar ist.
– Typische Symptome im späten Stadium: Auszehrung, Schmerzen im Oberbauch und Rücken, Gelbsucht, Wasser im Bauch und Thrombosen.
– Am Ende wirken meist mehrere Folgen zusammen, vor allem der Kräfteverlust und die Metastasen in der Leber.
– Schmerzmittel, Stents, Punktionen und Ernährungstherapie können viel Leid abfangen.
– Kostenlose Beratung: Krebsinformationsdienst unter 0800 420 30 40, täglich von 8 bis 20 Uhr.
Warum wird Bauchspeicheldrüsenkrebs so oft erst spät entdeckt?
Die Bauchspeicheldrüse liegt tief im Oberbauch, hinter dem Magen. Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) ist in den meisten Fällen ein sogenanntes exokrines Pankreaskarzinom, also eine bösartige Geschwulst der Zellen, die Verdauungssäfte bilden. Ein Tumor der Bauchspeicheldrüse drückt lange auf nichts, was weh tut. Als Risiko gelten vor allem Rauchen, starkes Übergewicht, ein Diabetes mellitus und eine chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse.
Erste Symptome sind häufig unklar: Druck im Oberbauch, Rückenschmerzen, Appetitlosigkeit, ungewollter Gewichtsverlust. Sitzt die Geschwulst im Kopf des Organs, kann eine schmerzlose Gelbsucht das erste Zeichen sein. Laut Krebsinformationsdienst wird die Erkrankung bei mehr als der Hälfte der Betroffenen erst im fortgeschrittenen Stadium festgestellt. Eine Operation kommt dann in der Regel nicht mehr infrage. Nur wenn der Tumor im frühen Stadium vollständig entfernt werden kann, besteht eine Chance auf Heilung. Dieses frühe Stadium wird aber selten erkannt.
Die Prognose ist ernst. Das Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut gibt die relative Fünf-Jahres-Überlebensrate mit 11 Prozent an, für Frauen und Männer gleich. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 76 Jahren (Frauen) und 72 Jahren (Männer). Über die Prognose für einen einzelnen Patienten sagt so eine Statistik wenig. Die kann nur die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt einschätzen, und auch das nur ungefähr.
Wie verläuft Bauchspeicheldrüsenkrebs im fortgeschrittenen Stadium?
Im fortgeschrittenen Stadium wächst der Tumor in Nachbargewebe ein oder hat Metastasen gebildet, häufig in der Leber oder im Bauchfell. Ab hier ist die Therapie palliativ. Sie soll Beschwerden lindern und die Lebensqualität erhalten. Eine palliative Chemotherapie kann das Wachstum bremsen. Ob sie infrage kommt, hängt laut Patientenleitlinie vom Allgemeinzustand und den Wünschen des Patienten ab und wird mit dem Arzt gemeinsam entschieden. Fünf Probleme prägen den weiteren Verlauf.
| Beschwerde | Was dahintersteckt | Typische Anzeichen |
|---|---|---|
| Auszehrung (Kachexie) | Tumor verändert den Stoffwechsel, Verdauung ist gestört | Abbau von Muskeln und Fett, starke Erschöpfung |
| Schmerzen | Tumor drückt auf Nerven im Oberbauch | Dauerschmerz im Oberbauch, oft gürtelförmig bis in den Rücken |
| Gelbsucht | Tumor engt den Gallengang ein, Galle staut sich | gelbe Haut und Augen, dunkler Urin, heller Stuhl, Juckreiz |
| Wasser im Bauch (Aszites) | Flüssigkeit sammelt sich in der Bauchhöhle | gespannter Bauch, schnelles Sättigungsgefühl, Atemnot |
| Thrombosen | Tumor verändert die Blutgerinnung | geschwollenes, schmerzendes Bein; bei Lungenembolie plötzliche Atemnot |
Auszehrung: wenn Essen nicht mehr reicht
Der Gewichtsverlust bei Bauchspeicheldrüsenkrebs hat zwei Gründe. Der Tumor verändert den Stoffwechsel, sodass der Körper Muskeln und Fett abbaut. Zugleich fehlen oft Verdauungsenzyme, die Nahrung wird schlechter verwertet. Stört der Krebs die Insulinbildung, kann zusätzlich ein Diabetes entstehen. Der Krebsinformationsdienst weist darauf hin, dass sich der Gewichtsverlust im fortgeschrittenen Stadium oft nicht allein durch Ernährung aufhalten lässt. Das ist für Angehörige schwer zu akzeptieren. Mit zu wenig Mühe beim Kochen hat das nichts zu tun.
Gelbsucht und gestauter Gallenabfluss
Der Gallengang läuft durch den Kopf der Bauchspeicheldrüse. Wächst der Krebs dort, staut sich die Galle zurück in die Leber. Neben der Gelbfärbung quält viele Betroffene ein starker Juckreiz, der laut Patientenleitlinie oft nachmittags und nachts zunimmt. Ein gestauter Gallengang kann sich außerdem entzünden. Bei hohem Fieber mit Schüttelfrost deshalb sofort das Palliativteam oder einen Arzt rufen.
Wasser im Bauch und Thrombosen
Im späten Stadium kann sich Flüssigkeit in der Bauchhöhle sammeln, manchmal mehrere Liter. Mehr dazu, wie dieses Bauchwasser entsteht, liest Du in unserem Beitrag wie man an Bauchfellkrebs stirbt. Die Erkrankung stört zudem die Blutgerinnung, deshalb bilden sich leichter Gerinnsel in den Venen. Löst sich ein Gerinnsel und gelangt in die Lunge, wird es gefährlich. Woran Du eine Lungenembolie erkennst, haben wir eigens erklärt. Plötzliche Atemnot oder Brustschmerz: Notruf 112, außer der Patient hat für diesen Fall in einer Patientenverfügung etwas anderes festgelegt.
Woran stirbt man bei Bauchspeicheldrüsenkrebs am Ende?
Eine einzelne Todesursache gibt es selten. Meist wirken mehrere Folgen zusammen:
- Die Auszehrung schwächt Herz, Atemmuskeln und Abwehr. Infektionen wie eine Lungenentzündung kann der Körper dann kaum noch abwehren.
- Metastasen und gestaute Galle beeinträchtigen die Leberfunktion. Das kann Müdigkeit und Verwirrtheit verstärken.
- Eine Lungenembolie kann den Verlauf abrupt beenden.
- Engt die Geschwulst den Zwölffingerdarm ein, kommt Nahrung nicht mehr weiter. Übelkeit und Erbrechen nehmen zu.
Welche Folge im Einzelfall den Ausschlag gibt, ist verschieden. Viele Patienten werden in den letzten Wochen schläfrig und schwach. Sie sterben schließlich, weil die Organe nach und nach ihre Arbeit einstellen.
Woran erkennst Du, dass die letzten Tage beginnen?
Die S3-Leitlinie Palliativmedizin beschreibt als Sterbephase die letzten drei bis sieben Lebenstage. Anzeichen dafür können sein:
- Der Patient schläft fast den ganzen Tag und ist schwer zu wecken.
- Er möchte kaum noch essen oder trinken.
- Die Atmung verändert sich, mit Pausen oder einem rasselnden Geräusch durch Schleim im Rachen.
- Hände und Füße werden kühl, die Haut kann fleckig aussehen.
- Phasen von Unruhe oder Verwirrtheit wechseln mit ruhigen Stunden.
Die Rasselatmung ist für Angehörige oft schwer auszuhalten. Das Palliativteam kann die Lage verändern oder Medikamente geben, die das Sekret verringern. Wichtiger als Getränke wird jetzt die Mundpflege: Lippen und Mundschleimhaut feucht halten, zum Beispiel mit einem befeuchteten Tupfer. Sprich ruhig weiter mit Deinem Angehörigen. Warum Du Sterbende beim Namen ansprechen darfst, erklären wir in einem eigenen Beitrag.

Was kann die Palliativmedizin lindern?
Palliative Medizin heißt: Beschwerden behandeln, wenn die Krebserkrankung nicht mehr heilbar ist. Im Palliativteam arbeiten Ärzte und Pflegekräfte eng zusammen. Die S3-Leitlinie zum exokrinen Pankreaskarzinom und die Patientenleitlinie dazu (Stand Dezember 2022) nennen dafür feste Bausteine.

Schmerzen
Die Schmerztherapie folgt dem Stufenschema der Weltgesundheitsorganisation. Reichen leichtere Mittel nicht, kommen Opioide als Tablette, Pflaster oder Pumpe zum Einsatz. Die Angst vor Abhängigkeit ist laut Patientenleitlinie unbegründet, wenn lang wirkende Präparate genutzt werden. Bleiben die Schmerzen stark, kann eine Coeliacus-Blockade helfen: Dabei wird das Nervengeflecht im Oberbauch unter CT- oder Ultraschallkontrolle betäubt.
Gelbsucht, Juckreiz und Engstellen
Bei Gelbsucht hält ein kleines Röhrchen, ein Stent, den Gallengang offen. Eingesetzt wird er meist bei einer Spiegelung. Ein Stent kann verstopfen und muss dann gewechselt werden. Gegen den Juckreiz helfen rückfettende Salben, Antiallergika oder in ausgeprägten Fällen Cortisoncremes. Ist der Zwölffingerdarm eingeengt, gibt es zwei Wege: einen Stent oder eine Operation, die den Magen direkt mit dem Dünndarm verbindet.
Bauchwasser und Ernährung
Gegen Bauchwasser hilft eine Punktion mit einer Hohlnadel. Sie bringt rasch Erleichterung und lässt sich wiederholen. Sammelt sich die Flüssigkeit immer wieder, kann ein dauerhafter Katheter gelegt werden, über den sie zu Hause abgelassen wird.
Trinknahrung oder eine dünne Sonde liefern Kalorien, wenn das Essen nicht reicht. Fehlen Verdauungsenzyme, gibt es sie als Kapseln zu jeder Mahlzeit. Nahrungsergänzungsmittel bringen laut Leitlinie keinen belegten Nutzen. In den letzten Lebenstagen ist weniger Hunger normal, und niemand sollte dann noch zum Essen gedrängt werden.
Diese Unterstützung gibt es auch zu Hause. Gesetzlich Versicherte haben Anspruch auf eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) nach § 37b SGB V, verordnet von der Hausärztin, dem Hausarzt oder der Klinik. Ein SAPV-Team ist rund um die Uhr erreichbar, in einer Krise rufst Du also zuerst dort an.
Wo finden Betroffene und Angehörige Hilfe?
Auch als Angehöriger darfst Du Dir Unterstützung holen, für die Pflege und für Dich selbst. Diese Stellen geben kostenlos Informationen oder vermitteln weiter:
- Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums: 0800 420 30 40, täglich 8 bis 20 Uhr, beantwortet medizinische Fragen auch für Angehörige.
- Deutsche Krebshilfe: Informationen und kostenlose Ratgeber, darunter „Krebs der Bauchspeicheldrüse“ aus der Reihe „Die blauen Ratgeber“, und psychosoziale Beratung.
- TEB e. V. Selbsthilfe (Tumore und Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse) und Arbeitskreis der Pankreatektomierten (AdP) e. V.: Austausch mit anderen Betroffenen und Angehörigen.
- Wegweiser Hospiz- und Palliativversorgung der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin: Suche nach Palliativstationen, Hospizen und SAPV-Teams in Deiner Nähe.
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117, wenn außerhalb der Sprechzeiten etwas nicht warten kann.
- Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, rund um die Uhr und anonym, wenn Trauer, Angst oder Erschöpfung zu viel werden.
Hinweis: Dieser Beitrag informiert allgemein über den Verlauf von Bauchspeicheldrüsenkrebs und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Fragen zu Deiner Situation oder der Deines Angehörigen sprich mit dem Behandlungsteam. Stand: Oktober 2026.




